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Digitalisierung im Sport - mehr als nur eSport

Seit einigen Jahren beobachte ich wie eine Verbindung von Digitalisierung und Sport versucht wird.

 

In meinen Augen fassen zwei Fragen fast alle Inhalte und Diskussionen zu­sammen:

  • Wie kann durch die Digitalisierung mehr Umsatz durch Fans und durch Sponsoring erreicht werden?
  • Sollte eSport als Sport anerkannt werden?

Ich finde keine Antwort auf diese Fragen drückt aus, wie stark der digitale Wandel den Sport wirklich beeinflusst.

 

 

Denn Sport bedeutet zum Großteil ehrenamtlich organisierter Breitensport. Dabei ist es speziell der Breitensport der in enger Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Veränderungen steht.

Wenn also der digitale Wandel unser Leben so fundamental verändert, dann müssen sich Breitensportvereine an gesellschaftliche Veränderungen anpassen.

 

Aus meiner Sicht sollte eine zentrale Frage zur Verbindung von Digitalisierung und Sport beantwortet werden: Wie kann der ehrenamtlich organisierte Breitensport vom di­gitalen Wandel profitieren?

 

 

Digitaler durch eSport

Was können Breitensport und eSport voneinander lernen?

 

Ich sehe beim eSport eine junge, sich organisierende Bewegung. Speziell die Suche nach der "richtigen" Struktur stellt für den eSport eine aktuelle Herausforderung dar. Ich beobachte wie ein Ausgleich von eSport und Bewegung abseits der Konsole immer wichtiger wird. In naher Zukunft werden Themen wie Ernährung und körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht nur im professionellen eSport an Bedeutung zunehmen. Genau dafür wird gerade an einer Trainer*innenausbildung im breitensportlichen eSport gearbeitet.

 

Ich beobachte zudem, wie Breitensportvereine zeitgemäßer arbeiten wollen. Ob die Vereine für sich vorher überlegt haben, was zeitgemäß bedeutet?

Ich sehe wie digitale Tools für die Zusammenarbeit oder für die Vereinsorganisation eingeführt werden und sich anhand dessen erste Erfahrungen gesammelt werden. Ich freue mich über diese ersten Schritte. Wahrscheinlich wird eine bessere digitale Vereinsorganisation auch mehr junge Menschen für das Engagement im Ehrenamt ansprechen.

 

Ich glaube der eSport findet Antworten im organisierten Breitensport und umgekehrt. Wenn dann die gemeinsame Diskussionsgrundlage stimmt: "Wie können wir gemeinsam einen Mehrwert für beide Seiten schaffen"

 

Wurde bisher ein gemeinsamer Mehrwert gesucht?

Der eSport möchte als Sport anerkannt werden, weil die körperlichen und kognitiven Herausforderungen eine entsprechende körperliche Belastung darstellen (Wie wird gespielt?).

 

Der DOSB (verantwortlich für die Anerkennung neuer Sportarten) diskutiert über die mangelnde Bewegung und bewertet die Projektionsfläche (Was wird gespielt?).

 

So werden keine Argumente ausgetauscht. So wird aneinander vorbeigeredet.

 

Erschwerend kam der Koalitionsvertrag hinzu, der eine Anerkennung des eSport als Sport bekräftigte, obwohl diese Frage überhaupt nicht im Verantwortungsbereich der Politik liegt. Auch hier haben Netzpolitiker*innen und Sportpolitiker*innen scheinbar nicht auf einer Höhe kommuniziert.

 

Was wäre denn möglich?

Das Ziel sollte sein, dass sowohl der eSport, als auch bestehende Breitensportvereine voneinander profitieren. Dafür ist der Austausch von Know-How und der Abbau von Barrieren untereinander nötig.

 

Ein Weg wäre es, wenn die Abgabenordnung so angepasst würde, dass Breitensportvereine eSport als Abteilungen integrieren und somit selbst anbieten können. Aktuell bedeutet dieser Schritt, dass bestehende Vereine ihre Gemeinnützigkeit verlieren können.

 

Ein anderer Weg wäre es, wenn Breitensportvereine eigene Lösungen finden um z.B. über gemeinsame Events den Interessenaustausch fördern. Im Stile des Schach-Boxens könnte zum Beispiel digitaler und analoger Sport in Kombination stattfinden. Also zum Beispiel abwechselnd Fußball auf der Konsole und dann auf dem Rasen.

 

Ich glaube beide Lösungsansätze können zu kurzfristigen Erfolgen führen. Langfristig benötigen wir jedoch eine Diskussion die miteinander geführt wird.

 

Oder, was denkt ihr?

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