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Neue Netzwerke durch eine Kultur der Digitalität

 

Als ich vor etwa drei Jahren begann meine Leidenschaft für den Sport und den digitalen Wandel zu verbinden, holte ich mir zwei blutige Nasen.

 

Im Sportkontext wurde mit entgegnet: "Sport ist halt analog. Da muss nichts digitaler werden" oder auch "Sport und digital, das ist eSport. Wobei eSport kein Sport ist".

Beide Antworten griffen für mich deutlich zu kurz. Also versuchte ich aus dem netzpolitischen Kontext eben den digitalen Wandel sportlicher zu machen. Antwort dabei: "Was haben wir mit Sport zu tun?"

 

So kam es, dass ich beim diesjährigen Digital Social Summit meine Gedanken nun erstmals vorstellen und diskutieren konnte.

In diesem Rahmen wurden zwei Fragen betont:

1. Über welche Form des Sport sprechen wir eigentlich?

2. Was bedeutet Digitalität im Sport?

 

Formen des Sports

In meiner Auffassung ist Sport ein Sammelbegriff und umfasst den Leistungs-, Breiten-, wie auch Freizeitsport. In der Diskussion auf dem Summit wurde deutlich, dass dabei besonders der organisierte und der nicht-organisierte Sport eher in freundlicher Co-Existenz, statt miteinander vernetzt agieren.

 

Vereinfacht ausgedrückt umfasst der organisierter Sport alle Formen des Sports in einem Verein unter der Zuständigkeit eines Verbandes. Das Dach des organisierten Sports ist in Deutschland der DOSB.

Der nicht-organisierte Sport ist häufiger durch lose Strukturen des Sporttreibens oder auch durch zivilgesellschaftliche Akteure gekennzeichnet, die den Sport lediglich als Instrument zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen nutzen.

 

Im Kern stehen jeweils die gemeinsamen Werte wie Fairness, Inklusion, Respekt oder auch Teamwork. Sichtbar wurde einmal mehr, dass die Werte und die Bedeutung des Sports unabhängig von einer Organisationsform gelten.

 

Digitalität im Sport

Inhalt meines Impulsvortrags war, dass der Sport nicht nur analog ist. Vergangenes Jahr haben Sportvereine Trainings online angeboten und dies zum Teil auf beachtlichem Niveau. Deutlich wurde, dass Ehrenamt und Engagement von der tatkräftigen Unterstützung vor Ort leben. Digitale Unterstützung dabei zu vernachlässigen oder zu ignorieren wäre jedoch naiv.

 

Für meinem Vortrag auf dem Summit bekam ich den größten Zuspruch für meine Ausführungen zur Digitalität. Ich beschrieb dabei, wie mit einer Kultur der Digitalität ein engeres Netzwerk aus Sport und Zivilgesellschaft entstehen kann, indem sowohl analoge, wie auch digitale Angebote enger miteinander verknüpft werden.

 

Für mich bedeutet digitaler Wandel nämlich in erster Linie einen Kulturwandel. Anhand zweier Formen der Digitalität möchte ich meinen Vortrag an dieser Stelle noch einmal vertiefen.

 

1. Referentialität

Der Umgang mit Referenzen und die Einordnung eines Inhalts in einen Kontext seien  zentrale Aspekte in der Kultur der Digitalität. In dem Buch "Kultur der Digitalität" beschreibt Felix Stalder dazu, dass alte Ordnungen (beispielsweise Bibliotheken oder Museen) immer weniger geeignet sind, um die Masse an Informationen zu filtern zu organisieren und zugänglich zu machen. Er beschreibt diese Ordnungen als Gatekeeper.

 

Übertragen auf den organisierten Sport scheint diese Ordnung die Rolle der Sportverbände zu beschreiben. Für mich zeichnen die Sportverbände das Bild eines starken, aber in sich eher verschlossenen Sport-Netzwerkes. So merke ich bei Twitter regelmäßig, wie Landessportverbände sich gegenseitig referenzieren. An relevante Verlinkungen von Sportorganisationen auf Nicht-Sportorganisationen kann ich mich nicht erinnern.

 

2. Gemeinschaftlichkeit

Die Form der Gemeinschaftlichkeit beschreibt wie Bedeutung und Handlungsfähigkeit nur im Austausch mit anderen entstehen kann. Um beispielsweise die Herausforderungen des digitalen Wandels zu lösen, suche ich keine Checkliste und arbeite diese ab. Sondern ich suche nach Austauschmöglichkeiten mit Organisationen oder Menschen, die das selbe Problem wie ich habe bzw. hatten.

 

Für meine ehrenamtlichen Arbeit beim Berliner TSC spielen Sportverbände keine zentrale Rolle. Zur Erarbeitung einer Digitalstrategie, zur Stärkung des Ehrenamts oder für neue Überlegungen für Finanzierungsformen oder zum Wissensmanagement suche ich Antworten bei Stiftungen, Kulturvereinen oder Wohlfahrtsverbänden.

 

Mein Beitrag beim Summit war mein erster Versuch wieder Informationen in das Netzwerk der Zivilgesellschaft zurückzuspielen.

 

 

Ausblick: Der organisierte Sport sollte sich mehr als Open-Source Netzwerk verstehen.

Auch beim Digital Social Summit wurde betont, dass jede Form des Sports selbstverständlich ein Bestandteil unserer Zivilgesellschaft ist. Ein Netzwerk ist jedoch nur so stark, wie seine einzelnen Netzwerkpunkte und ihre Verbindungen. Sportvereine und -verbände sind für mich ein ganz elementare Netzwerkpunkte. Für eine starke Zivilgesellschaft müssen sie ihrer Rolle daher auch gerecht werden.

 

Hier können Open Source Netzwerke als Grundlage für die Entwicklung im Sport dienen. So basiert das Debian-Projekt auf selbst erstellten Grundprinzipien und einem Gesellschaftsvertrag. Speziell der Gesellschaftsvertrag ist die Grundlage für die Kooperation und der zentrale Referenzpunkt für Verhandlungen von Konflikten. Exakt diese Form der Konfliktlösung in einem Netzwerk erwarte ich von den Sportverbänden.

 

Es wird daher Zeit die Netzwerke des Sports größer und umfassender zu denken. Sportvereine und -verbände nur zu digitalisieren und ggf. umzustrukturieren greift deutlich zu kurz. Wir brauchen ein wachsendes Verständnis für die Kultur der Digitalität im Sport.

Download
Digital Social Summit Präsentation
CC BY
Präsentation DSS.pptx
Microsoft Power Point Präsentation 5.8 MB

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